Wann ist der beste Zeitpunkt für einen Umzug in eine Seniorenwohnung?
Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für den Umzug in eine Seniorenwohnung ist selten rein praktisch. Sie berührt die eigene Selbständigkeit, die gewohnten vier Wände, das Familiengefüge und oft auch die Sorge der Kinder oder Enkel, die sehen, dass Garten, Treppe oder Haushalt zu viel werden. Wir haben mit zwei Bewohnenden der Oase Obergösgen gesprochen, die diesen Schritt selbst gemacht haben: Frau Heidi Sommer (80, seit rund eineinhalb Jahren in der Oase) und Herr Rolf Neubert (87, seit gut fünf Jahren in der Oase). Ihre Erfahrungen geben sowohl Senior:innen als auch deren Angehörigen wertvolle Orientierung.
Drei Lebensphasen – warum das «dritte Leben» bewusst gestaltet werden will
Rolf erklärt es mit einem einfachen Bild: Das Leben besteht aus drei Phasen. Das erste Leben ist die Jugend und das junge Erwachsenenalter – Ausbildung, Partnerwahl. Das zweite Leben beginnt mit Familie und Kindern. Das dritte Leben fängt dann an, wenn die Kinder ausziehen, und ist gemäss Rolf das wichtigste. Es sei aber auch endlich. Vielen sei das nicht bewusst, sagt Rolf. Man lebe in den Tag hinein, alles sei gut und schön, bis etwas passiere.
So ging es auch Rolf und seiner Frau. Im Jahr 2021 erkrankten beide schwer an Covid und mussten ins Spital. Ihr Sohn brachte ihnen die Unterlagen der Oase Obergösgen, und noch im Spital fällten die beiden den Entschluss, das Haus zu verkaufen und in die Oase zu ziehen. Eine richtige Entscheidung – aber eine, die Rolf eine wichtige Lehre mitgegeben hat:
«Die Entscheidung soll man dann fällen, wenn man kann und nicht muss.»
Ein Jahr später erlitt seine Frau einen Schlaganfall. Rolf war doppelt froh, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits in der Oase Obergösgen lebten und Hilfe sofort zur Stelle war. Genau das ist der Mehrwert des frühen Schritts: Wenn etwas Unvorhergesehenes passiert, ist man nicht allein – und Angehörige müssen nicht aus der Distanz organisieren.
«Hier geh ich nie hin» – wenn der Kopf später folgt als das Herz
Heidi musste ihre Meinung gleich zweimal revidieren. Als sie das Seniorenzentrum vor fünf Jahren zum ersten Mal sah, sagte sie noch entschieden: «Hier geh ich nie hin!» Heute lacht sie darüber, denn vier Jahre danach war sie eingezogen. Der Weg dahin war typisch: Sie wohnte zuerst im Haus, später in einer Blockwohnung. Irgendwann wurde die Arbeit zu viel. Sie meldete sich bei der Oase, holte sich die Unterlagen und liess sich auf die Interessentenliste setzen. Bald darauf konnte sie eine Wohnung besichtigen und war, in ihren eigenen Worten, platt. Mietvertrag unterschrieben, ausgemessen, gezügelt – und in derselben Nacht alles eingeräumt. Heute sagt sie überzeugt: «Irgendwann tragen die mich hier mal raus. Aber hier bleib ich.» Ihre Botschaft: Auch wer zuerst skeptisch ist, darf seine Meinung ändern.
Was Heidi und Rolf empfehlen
Heidi und Rolf sind sich einig: Lieber früher als später entscheiden. Mit 80 Jahren – so Rolf – sollte man sich die Frage stellen, wie man sein Leben weiter gestalten möchte. Heidi findet 80 schon zu spät; sie empfiehlt, lieber früher zu handeln. Es mache, so Rolf, einen Unterschied, ob man die Entscheidung als Paar trifft oder als Einzelperson. Wichtig ist beiden: Man soll entscheiden, solange man noch gesund ist und in der Lage, selbst auszuwählen. Wenn man spürt, dass man die Arbeit zu Hause nicht mehr alleine schafft, ist es Zeit. Ein früherer Einzug hat zudem den Vorteil, dass man noch die Kraft hat, mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu treten und Teil der Gemeinschaft zu werden – sofern man dies möchte.
Und wer sich noch unsicher ist: Eine Anmeldung auf der Interessentenliste kostet nichts und ist unverbindlich. Man muss auch nicht direkt die Wohnung nehmen, die einem gezeigt wird. So kann man sich Zeit lassen und ist trotzdem vorbereitet, wenn der richtige Moment kommt.